Facebook als Emotionsersatz

Facebook als Emotionsersatz

(PVH) Wie schon 2011 publiziert wurde, ist in einer kleinen Studie ( 125 Probanten) festgestellt worden, dass Facebooknutzer einen Bereich des Gehirn, je nach Freundesanzahl, vergrößert haben. Durchgeführt wurde die Studie von Forschern des University College London, London School of Medicine and Dentistry und der Universität Aarhus in Dänemark. Es sollte in dieser Querschneittsstudie festgestellt werden, ob die Größe von Hirnbereichen mit der Nutzung sozialer Netzwerke in Zusammenhang steht.

Viele Freunde, viele Emotionen

Festgestellt wurde, dass mit der Zunahme der Freunde bei Facebook die sog. „Amygdala“ ebenso vergrößert ist. Dieser Bereich des Hirn, der auch Mandelkern genannt wird, ist das Zentrum emotioneller Impulse. Die Informationen sind allerdings schon in der Großhirnrinde vorgefiltert. Die Amygdala ist der Knotenpunkt, um Ereignisse mit Emotionen zu verknüpfen. Angst, Abwehr, Lust wird hier mit einem Erlebnis/Ereignis verknüpft und abgespeichert. Damit kommt es zu Steuerungen von somatischen Reaktionen wie Plusflattern, Schweißausbrüche, Herzrasen und sexuelle Antriebe.

Konditioniert Facebook die Nutzer?

Dieses Zentrum wird u.a. auch durch den Pawlow´schen Effekt angesprochen. Hier handelte es sich um die Konditionierung von Tieren. Pawlow konditionierte einen Hund damit, Fütterung mit dem Läuten einer Glocke zu verknüpfen. Im Ergebnis setzte der Speichelfluß beim Hund schon ein, wenn er die Glocke hörte. Die Reaktion wurde somatisch erzeugt. Normalerweise ist der Speichelfluß eine Reaktion auf das Einsetzen der Wahrnehmung des Fressens, des Kauvorganges.

Das Geschäft mit den Emotionen blüht

In der Studie wird expliziet darauf hingewiesen, dass es nicht nachweisbar ist, ob eine große Anzahl von Facebookfreunden die Amygdala vergrößere, oder ob sie schon größer war. Offen bleibt in der Studie damit, ob Menschen mit großen emotionalen Bedürfnissen eher in sozialen Netzwerken zu finden sind.

Der Erfolg von sozialen Netzwerken wie Facebook und Co kann darin liegen, dass er emotionelle Bedürfnisse befriedigt. Diese reichen von positiver Zuwendung, sexueller Erregung bis zu Angst und Aggressionen. Als Auswirkungen erleben wir alle dieses. Flash-Mobs, Verabredung zur Party gehören dazu, wie die Absprache, jemanden zu misshandeln. Ein Armutszeugnis für unsere rationale, angeblich professionelle Gesellschaft.

Bedürfnisse suchen sich ihren Weg. Anbieter wie Facebook, Google und Konsorten machen daraus ein Business.

Links zum Thema:

FAZ – Internetsucht  und PC-MAX.de

Paul Pawlowski (pp)
Titelfoto: Alexander Klaus / pixelio.de