Nizza schockt mich nicht

Nizza schockt mich nicht

Wieder ist etwas passiert, was die Betroffenheitsmaschinerie in Bewegung setzt. Brüssel, Paris, Madrid, Istanbul…  überall das gleiche Bild. Anscheinend radikalisierte Moslems werden zur tickenden Zeitbombe. Ob sie mit falschen, oder gar keinen Papieren, über die Flüchtlingsrouten kommen, oder als zweite und dritte Generation von Einwanderern in den Ländern „gezüchtet“ werden, ist für das Ergebnis völlig unerheblich. Auch für eine Prävention, denn die Motive sind die gleichen. Durch eine Grenzschließung würde ich die Wege dieser Leute etwas umständlicher machen, mehr nicht. Die, die hier leben, die sind schon da. Das verbindende Element beider Gruppen ist, sie orientieren sich starr an Werten, bzw. vermissen sie in unseren Gesellschaften. Suchen also eine Orientierung.  Ob man nun in den Diskurs über die Wertigkeit von Aussagen des Koran zum Umgang mit Andersgläubigen einsteigt und dort in abendländischer Manier der Aufklärung Rangfolgen sucht, ist müßig. Es gibt Lehrer des Islam, die eine wortgetreue und radikale Lesart bevorzugen. Man muß auch zur Kenntnis nehmen, dass der Islam, anders als das Christentum, keine Missionierung kennt. Der „Dschihad“, der heilige Kampf, der wörtlich übersetzt „das Sichmühen für Gott“ heisst, ist eine Verpflichtung der islamischen Gemeinde. Dieses „Sichmühen“ kann auch bewaffnet sein. Unabhängig von religiöser Prägung, ist der Umgang mit Gewalt in kulturellen Kontexten weltweit sehr unterschiedlich. Auffällig ist, dass besonders das Christentum und der Islam als gewalttätig in Erscheinung treten. Selbst mitten im Norden Europas kennen wir noch die IRA, die in Nordirland mordete. Erst 2010 hat die OIRA bekannt gegeben, dass alle Waffen unbrauchbar gemacht wurden. Auch hier vermischten sich religiöse mit ideologischen Gründen. Oder ist das das Gleiche…? Ebenso die ethnische Säuberung der Serben gegen die muslimischen Bosnier. Eine Trennung von Staat und Religion im Islam hat schon so manchen Gelehrten den Posten, sogar das Leben gekostet. So war es früher auch im Christentum.

Wer Wind sät, wird Sturm ernten

Diese alte Bibelweisheit (Hosea, Kapitel 8, Vers 7) sagt nichts anderes, als die Potenzierung des eigenen Tuns als Antwort. Jetzt könnte man in den Chor derer einstimmen, die lauthals schreien, dass die imperiale Aussaat “Auspressung durch die Industrienationen“, diesen Sturm entfacht hat. Das hat sicher auch etwas damit zu tun. Genauso die moderne Kommunikationstechnik, die es auch ermöglicht, dass das letzte Dorf im Kongo und Usbekistan erlebt, wie iPhone, SUV und Gangbang das Leben bereichert. Angesichts des eigenen Despoten, der Korruption, Bürgerkriege, Hunger und Gier ist es nachvollziehbar, dass man in westlicher Manier mit eigenem oder geliehenem Geld Geschäfte mit auch obskuren Figuren macht, um an all das zu kommen. Das ist die neue Saat, die mit den modernen Mitteln über den Planeten geschüttet wurde. Da kommen aus Syrien, wie Kongo die, die stark und gut in ihren sozialen Umfeldern verankert sind. Sie haben die Mittel dazu, den Weg zu bezahlen. Mit Kauf von Dienstleistung und Bestechung. Manche Verschulden sich sogar dafür, in das „gelobte Land“ zu kommen. In dem Bewusstsein, dass es vorzeitig mit dem Tode enden kann. Das ist für uns Mitteleuropäer nicht vorstellbar. Da kommt eine ganz andere Klasse von Leuten zu uns, die nichts und niemanden fürchten. Für diese ist Gewalt Lebenserfahrung und ein normales Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen. Meine Schilderung mag den einen oder anderen verschrecken. Aber….. mit Islam hat das Ganze nur am Rande zu tun. Dazu komme ich gleich.

Wer Jesus ablehnt, Kapital regieren lässt, bekommt es mit Mohamed zu tun

Jetzt werden einige sagen:“ DAS ist aber eine steile These!“. Genau in solcher Argumentation stellt sich das Problem trefflich dar. Die Überheblichkeit und Nichtreflektion der Zusammenhänge in der Vergangenheit, lässt keine freie Diskussion um Lösungen zu. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ist ein Feindbild verloren gegangen. Daran knabbert die NATO derzeit noch gewaltig. Andererseits entstand die Idee, dass dieser ganze Bereich ein herrlicher neuer Markt sei. Auch das ist nach anfänglichen Erfolgen ins Stocken geraten. Einen Exkurs zu Osterweiterung, Jelzin, Ukraine und Putin spare ich an dieser Stelle aus. Mein Weg durch den Dschungel von Hass, Gewalt, Unzufriedenheit und Werte zeigt sich auf einer anderen Karte.

Aufgeklärter islam - oder Werteverfall..?

Aufgeklärter islam – oder Werteverfall..?

Wir erleben den Import des Wertekrieges innerhalb des Islam. Es ist viel geiler, mit einem SUV über die Kölner Ringe zu fahren, Sex, Drogen und Zinsen zu erleben, als mit dem gleichen SUV mit einem Imam im Nacken durch die Wüste. Der Wertekrieg im Christentum ist schon lange an die Ökonomie verloren. Wenn nicht sogar durch die Machtgelüste der Kirche befördert worden. Ich höre förmlich den Aufschrei der „Christen“.  Der Text Matthäusevangeliums (Mt 5-7) im Neuen Testament (NT), mit dem Jesus von Nazareth seine Lehre verkündet, wirft erhebliche Fragen nach dem gelebten Christentum auf. Allein die Seligpreisungen sind für unsere Verhältnisse schon verstörend. Jesus verknüpft sie mit Armut, Trauer, Demut, Sanftmut, Gerechtigkeitssuche, Barmherzigkeit, reinem Herzen, Friedensstiftung und Leidensbereitschaft wegen Verfolgung. Nietzsche sah hier eher die Ideologie der Looser und  die Reformation brachte die „zwei Welten“. Eine geistige, in der man fein wortgetreu sei, aber in der realen Welt gelten andere Regeln. Diese Diskussion möchte ich jetzt auch nicht vertiefen.

Für die Eigenlektüre empfehle ich die Menge-Übersetzung, die ist am dichtesten am Urtext und dennoch in einem durchaus verständlichen Deutsch. Allein die zehn Gebote reichen aus, um ein Zusammenleben zu gestalten. Selbst für die, die einen Gottesbezug ablehnen, reichen die anderen Gebote aus. Aus  „Eure Rede sei vielmehr ›ja ja – nein nein‹; jeder weitere Zusatz ist vom Übel (oder: stammt vom Bösen).“ Haben wir was gemacht..?

Im Schutz des Christentums wanderte Kapitalismus um die Welt

Es ist normal, dass man eine Vereinbarung umgeht, indem mal das angestrebte Ergebnis vortäuscht (Dieselleaks), einfach Verpackungen verändert, den Inhalt vermindert und so hinterhältig Preiserhöhungen unbemerkt platziert (max. in ganz Kleingedrucktem die neuen Mengen, die keiner liest und lesen kann), Inhaltstoffe nicht zu Inhaltstoffen sondern zu nichtdeklarierbaren Hilfsstoffen degradiert, wie bei Enzymen im Brot. Contergan, Glyphosat und Aspartam sind weitere beredte Beispiele des heute legitimen Wegtauchens vor Verantwortung. Konstrukte wie GmbH&Co.KG (sogar mit einer UG als Komplementär) und Hartz4, Leiharbeit, Scheinselbstständigkeit und Zwangsprostitution sind Bestandteile einer Gesellschaft, die sich angeblich christlich nennt. Von Sklaverei, Ausbeutung und Kriegen will ich gar nicht reden.

Kapital und die Gier danach, haben den Wertekampf schon lange gewonnen. Der alte Klassenkampf des bösen Unternehmers und des ausgebeuteten Arbeitnehmers, gilt schon lange nicht mehr. Ebenso wenig die Mär von „Bildung schützt vor Armut“. Kapital haben oder nicht haben, das ist die Trennlinie. Hier trifft sich der Hartz4-Bezieher mit dem sich selbst ausbeutenden Scheinselbstständigen, genauso wie der Unternehmer, der jeden Monat um die Insolenz bangt.

Angesichts dieses vom Islam gerne als „Dekadenz des Westens“ angeprangerten Werteverfalls und den sozialen Spaltungen der Industrienationen, wundern die Begehrlichkeiten nicht. Die Despoten in Nahen Osten und Afrika haben sich mit dem Kapital sehr schnell arrangiert. Völlig unabhängig von Religion. Das Christentum ist als Gegenwehr zur neuen Religion „GELD“ Totalausfall. Da kann ich die durchschimmernde Verachtung so mancher Muslime durchaus verstehen. Jetzt beginnt – mit der Verzögerung des Zerfalls Ostblock – der letzte Giral-Zug (Kreuzzug ist das ja keiner) gegen den Islam, der sich über die Jahrhunderte in vielen Facetten, aber recht urtümlich erhalten hat. Im Gegenteil, durch den Iran und Al Quaida, IS gibt es sogar eine nennenswerte Gegenwehr gegen diese „Degenerierung“. Der arabische Frühling hat auch nicht so wirklich funktioniert. Vielleicht, weil die Protagonisten die Verquickung zwischen Demokratie und Kapital unterschätzten. Teile der Demokratischen Ordnung haben sich einen kapitalistischen Kern gegeben. Das ist nicht vom Himmel gefallen.

Die Saat geht auf

Kind in Moschee

Glaube, Liebe, Hoffnung..?

Plötzlich stellen die Menschen fest, in Demokratie und Kapitalismus gibt es auch kaum eine Trennung zwischen Staat und „Religion“. Da kann man verzweifeln, wenn vor drei Generationen meine Urgroßeltern als Arbeiter nach Europa kamen und ich immer noch der Looser, der Ausgegrenzte bin. Im Ghetto lebe, vielleicht kaum die Sprache spreche und keinen Job habe. Oder als erster in der Familie  Abitur machte. Dann nach dem Studium feststellte, mit meinem Namen kriege ich manchen Job nicht. Oder der junge Tunesier, der die Touristen im eigenen Land sieht, reich, manchmal arrogant, behangen mit Luxuskleidung, Uhren, Kameras und Kreditkarte. Sich nach Europa aufmacht,  dann feststellt, in Europa wollen die mich gar nicht, da stehen neben sprachlichen und juristischen Problemen, mit mir in Deutschland rd. fünf Millionen Arbeitslose in einer Reihe um 600.000 offene Stellen. Eigene Landsleute beuten mich noch aus und meine Chancen sind gleich null. Zurück…? Das Gesicht verlieren, vielleicht noch verschuldet bei Familie und Freunden? Da wundert es mich nicht, wenn ich einige dieser jungen Männer und Frauen beim IS wiederfinde oder als Attentäter in Paris, Brüssel und Nizza. Sie sind willige Beute für die Demagogen, die ihnen Achtung, Vertrauen und Zugehörigkeit vorgaukeln. Ihre „Führer“ sind die, die bewusst diese Lücken schließen und oft genug den Finger am Zünder des Sprengstoffgürtels um den Leib der jungen Menschen haben.

Vertrauen, Liebe,  Achtung und Respekt als Therapie

Es sind nicht die Konzerne, die ganze Länder ausbeuten, es sind die Menschen, die sich solche Konstrukte wie Konzerne ausgedacht haben. In dessen Deckmantel Entscheidungen fällen, die keine Religion dieser Welt gut heißt. Es sind die Politiker, die sich in deren Kapitalsonne einen Platz an derselben sichern und die Werte nach und nach aushöhlen. Es sind die Anführer der Terrorgruppen, die statt eine Bank zu gründen, eine zerbomben und den Kindergarten daneben gleich mit. Alle reden sie von der „gerechten Sache“.  Psychopathen heißt die Diagnose, wie eine pakistantische Psychiaterin konstatiert.

Ob wir eine Chance haben, dieses ohne Blutvergießen zu revidieren, werden die kommenden Jahre zeigen. Politische Scheuklappen, wie rechts und links, entspringen einem überholten Weltbild. Der alte Spruch: „Der ist so weit links, der kommt rechts schon wieder raus“ ist heute wahrer denn je.

Politik muss sich von der Religion „Geld“ trennen. Ihren Raum nehmen und…. Darunter leidet eine EU vor allem, die Menschen in die Verantwortung einladen. Nicht mit Verhinderung und Verunglimpfung von Volksentscheiden die alten Muster zu halten versuchen. Ob dieses mit den aktuellen Machthabern möglich ist, das wird sich noch weisen.

Junge aus indien

Seine Chance..?

Und der Islam…. – in Pakistan gibt es staatliche Programme mit Psychotherapie, um Aussteigern ein neues Leben ohne den Dschihad mit Gewalt zu leben. Der Dschihad ist Bestandteil des Islam und dessen Lehre. Daher muss diese Religion die Interpretation selbst leisten. Wer sich in der Gesellschaft geachtet, aufgehoben und willkommen fühlt, der lässt sich keinen Sprengstoffgürtel umhängen. Auch wird er keine Ausländerheime anzünden.

Ausgrenzung wie Hartz4, Tafeln, „Teilhabe“ statt Mittendrin, Scheinselbstständigkeit, ein Bildungssystem ohne guten Durchlass, eine Familienpolitik ohne Familie als Kern – all das sind die mentalen Sprengstoffgürtel unserer Gesellschaft. Die Selbstmordattentäter heißen Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und Sozialverbände. Was das heißt erlebt die SPD gerade. Ihre Sprengstoffgürtel mit der Aufschrift „Hartz IV“ geht gerade hoch. Wie viele wollen wir noch mit in den realen oder sozialen Tod mitreißen? Die Toten von Nizza sind sichtbar – die Toten des inneren Gesellschaftsterrors sind Großteils unsichtbar. Hunderttausende  von Verletzten leiden still ohne Hilfe.

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