IGeL-Leistungen unter der Lupe

Wer kennt die auffälligen Aushänge und Flyer in Arztpraxen nicht, die auf besonders wichtige Vorsorgeleistungen hinweisen. Diese Leistungen sind aber nicht (mehr) im Katalog der Krankenkassen aufgeführt und daher eine “Individuelle Gesundheits Leistung” (IGeL eben). Dieser Geschäftsbereich in der Arztpraxis ist zum Teil professionell organisiert. Hier gibt es klare Dienstanweisungen an Mitarbeiter und ausgefeilten Verkaufsschulungen.

Angst der Patienten geschürt

Beliebtes Spiel mit der Angst und den bösen, nicht mehr zahlenden, gesetzlichen Krankenkassen sind die Vorsorge-Impfungen aller Art, Krebsmarker beim Blutbild und der Klassiker “Grüner Star” (Augeninnendruckmessung) beim Augenarzt. Gynäkologen und Augenärzte führen die Liste der Umsatzspitzenreiter bei IGeL an. Hier wird oft wissentlich eine Drohkulisse durch den Arzt aufgebaut, die nur einen Zweck hat: Umsatz!

Eine solche IGeL-Leistung sei notwendig, um eine besonders genaue Diganose zu stellen; Ärzte würden in ihrer Arbeit von den Kassen im Stich gelassen, und der Patient müsse leider selbst zahlen; Vorsorge sei erste Patientenpflicht; Kassenpatienten würden vom medizinischen Fortschritt ausgeschlossen; und, und, und…. Die Argumentationskette ließe sich mühelos fortsetzen.

Mehr Umsatz und Beteiligung der Angestellten

Anti-Aging, Reisemedizin und Krebsvorsorge sind die Renner in der Branche. Mit ganzen vier IGeL-Leistungen kann ein Praxisumsatz um 25.000 Euro im Jahr angehoben werden. Diese Aussage findet sich auf der Webseite von www.praxisberater.de.

Zwischen knapp 20-40% liegt die Treffer – oder besser Verkaufquote der individuellen Leistungen. Die Milliardengrenze ist im Unsatz geknackt, wie eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (pdf-download)  in einer Umfrage feststellte. In 2011 sollen über 1,5 Milliarden Euro aus IGel in die Arztpraxen fließen. Modelle über Umsatzbeteiligen der Mitarbeiter in Arztpraxen finden ebenso immer mehr Anwendung.

Internetprotal bewertet IGeL

Viele dieser Leistungen sind wissenschaftliche sehr umstritten und werden genau wegen nicht nachweisbaren Nutzen von den getzlichen Kassen nicht (oder nicht mehr) honoriert.

Das Portal www.IGel-Monitor.de hat nun einige der Leistungen genauer erklärt und auch eine Bewertung über den medizinischen Nutzen ins Netz gestellt. Dieses kann nur der Anfang sein.

Es ist für den Patienten nur schwer ersichtlich, ob das, was ihm oft spontan zur Entscheidung angetragen wird, wirklich einen Nutzen bringt. Jedenfalls sollte jeder Patient sich nicht unter Druck setzen lassen, noch schnell diese oder jene Dienstleistung der Arztpraxis in Anspruch zu nehmen.

Nach Auskunft der gesetzlichen Krankenversicherer werden Leistungen von den Kassen grundsätzlich übernommen, wenn sie medizinisch notwendig sind.