Zuwendung vergrößert Kinderhirn

Jetzt hat eine Studie das bestätigt, was eigentlich jeder weiß: Kinder brauchen Zuwendung und Liebe um sich optimal zu entwickeln. Die Kinderpsychiaterin Prof.Joan L. Luby von der Washington Universität für Medizin in St.Louis hat eine Arbeit vorgestellt, in der 92 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren psychologischen Test unterzogen wurden. In den “Proceedings” der amerikanischen Akademie der Wissenschaften sind jetzt die Ergebnisse nachzulesen (Link zur Publikation der Universität Washington).

Futter fürs Gehirn

Baby mit FlascheElterliche Zuwendung und Unterstützung ist sowas wie “Futter fürs Gehirn” des Kleinkindes. Die Entwicklungspsychologie weiss seit langem, dass die ersten drei Lebensjahre entscheident für die Entwicklung des Kindes sind. Jetzt wurde sogar physisch nachgewiesen, dass bei Kindern, die eine fürsorgliche Unterstützung erhalten, der Hippocampus sich größer entwickelt. Der Hippocampus ist die Hirnregion, die eine zentrale Bedeutung für Gedächtnis, Emotionen und Stressbewältigung hat.

Zuwendung hilft bei Stressbewältigung

In der Beobachtungsphase wurden den Kindern in Tests u.a. stressende Aufgaben gestellt. Bewertet wurde die Herangehensweise, die Reaktion und die Unterstützung der Mütter. Nach drei Jahren wurde mit einer Magnetresonanztomographie (MRT) nachgewiesen, dass bei den Kindern, die besonders fürsorglich in ihren Bemühungen unterstützt wurden, der Hippocampus sich größer entwickelt hat.

Diese Entwicklung unterscheidet sich zwar nach Geschlecht, aber nicht nach Bildung und sozialem Status der Eltern. Dies zeigt, dass die Zuwendung und Unterstützung durch die Mutter wichtige Gehirnregionen anregt und ihre Entwicklung fördert. In der Studie waren als Vergleichsgruppe Kinder mit Depressionen gegenüber gestellt worden. Bei den gesunden Kindern war der Hippocampus bis zu zehn Prozent größer. Dieses ist kein Ergebnis, dass die Wissenschaftlerin erstaunte. Bei Erwachsenen ist eine ähnliche Korrelation nachgewiesen.

Physikalischer Beweis vom Nutzen der Zuwendung

Neu ist der Zusammenhang mit der frühkindlichen Förderung und Zuwendung. Die Studie zeigt eine klare Verbindung zwischen Pflege, Zuwendung und die Größe des Hippocampus.Die Wissenschaftlerin regt an, in der Beratung von Eltern auf diese Unterstützung und Zuwendung für die Kleinkinder hinzuweisen.Eine große Anzahl von Studien beweist, dass eine fürsorgliche frühkindliche Zuwendung eine gesunde Entwicklung und Sozialisation befördert. Jetzt wurde dieses sogar physikalisch nachgewiesen.

Auch ist Prof. Luby sehr vorsichtig in der Bewertung, ob die Zuwendung von Hort-/Pflegepersonal zu einem ähnlichen Ergebnis führt. Sie geht davon aus, es wird zumindest für alle primären Bezugspersonen gelten. In der Studie waren 95 Prozent die biologischen Eltern.

Diskussion um Elterngeld beschäment

Mutter mit Kind

Die aktuelle, schon beschämende, deutsche Diskussion um das Elterngeld wirft ein bezeichnendes Licht auf die Gegner (Arbeitgeberverbände vornehmlich). Sich den Kleinkindern zuwendende Mütter (und auch Väter) stehen nicht mehr als Billiglöhner dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Diese gesetzliche “Zuwendungspauschale” würde einen versteckten Mindeslohn darstellen – oder die Bereitschaft vermindern, sich mit prekären Arbeitsverhälnissen abzufinden. Hier wird durchaus wissentlich eine Störung der frühkindlichen Entwicklung wegen Profitinteressen in Kauf genommen.

 Das Gedankengut im Hintergrund ist diskriminierend und in Zügen menschenverachtend. Gerade sozial schwache Familien und Mütter soll dieses Geld nicht gewährt werden. Sie würden es “versaufen” und sich Flachbildschirme kaufen. Selbst wenn sie es so tun würden, dann wäre das Geld immer noch besser angelegt, als in obskuren Arbeitswelten gestresste Mütter und Väter zu produzieren und die Kleinkinder in nicht vorhandenen oder unterbesetzen Horte zu verwahren.

Hier der Link zur Publikation der der Universität Washington

P.S.: Merkwürdige deutsche Presse: von WELT und Spiegel wurde anscheinend die dpa-Meldung 1:1 übernommen. Haben wir noch Redakteure und Journalisten, oder nur noch Praktikanten in den Redaktionen…?

Paul Pawlowski (pp)

Titelfoto: Foto: Salih Ucar / pixelio.de